Suche
Suche Menü

Die zwei größten Verhinderer optimalen Lernens

Zahlen-Set

Lernen funktioniert am allerbesten durch Kopieren. Das hat die Lernforschung längst heraus gefunden.
Also einfach bei anderen Menschen schauen, wie die es machen & es dann genau so nachmachen, wie ich es beobachtet habe. Oder?

Hochsensible Menschen lernen durch ihre besondere Sozialisation meistens sehr früh, wie sie sich an anderen Menschen orientieren. (Seht Euch zur Sozialisation auch das Video: Wie unsere Glaubenssätze entstehen an)

Denn wenn wir viel kritisiert werden, kommt bei uns das Gefühl an, wir seien nicht in Ordnung, wie wir sind. Und dann fangen wir als kleines Kind schon an, uns an anderen Menschen auszurichten.

Die Schlussfolgerung ist: Hochsensible Menschen lernen gut & schnell, denn sie lernen ja früh, wie es am Besten funktioniert: copy & paste – also nachmachen & ins eigene Leben einfügen.

Ist das vielleicht der Grund, warum hochsensible Menschen so viele verschiedene Dinge gut oder sogar sehr gut können?

Die Antwort ist: JA!

Es gibt allerdings ein großes ABER bei der Geschichte: Und hier sind wir schon bei den zwei größten „Verhinderern“ beim Lernen von hochsensiblen Menschen…

und einem der Gründe, warum wir einen oft völlig überhöhten Selbstanspruch haben.

Noch einmal zurück zum optimalen Lernen: Denn ganz so einfach ist es dann doch nicht. Allein kopieren & nachmachen reicht nämlich gar nicht aus.

Optimal wird das Lernen nur, wenn wir das Verhalten – das wir bei Person A beobachtet haben & gut finden – auch erst einmal auf zwei überaus wichtige Dinge hin überprüfen.

Ein normal sensibler Mensch überprüft das in der Regel automatisch, vorausgesetzt, er hat einen gut ausgeprägten Selbstwert etabliert.

Er oder sie überprüft als Erstes, ob das beobachtete Verhalten auch zur eigenen Persönlichkeitsstruktur & der gegenwärtigen Lebenssituation – also zu seinen Grundbedürfnissen – passt.

Das tut der hochsensible Mensch meistens nicht. Denn er ist nicht (mehr) in Verbindung mit seinen Grundbedürfnissen (seht hierzu das Video: Wichtig! Grundbedürfnisse beachten).

Und wenn ich nicht in gutem Kontakt mit meinen Grundbedürfnissen bin, sehe ich auch keine Veranlassung, ein bestimmtes Verhalten auf meine Persönlichkeit abzustimmen. Leider…

Das heißt: Der Hochsensible übernimmt ein Verhalten, ohne es mit den persönlichen Grundbedürfnissen & Lebensumständen abzustimmen. Und das führt sehr leicht zu einer Überforderung bzw. Überfrachtung des Systems.

Der zweite Verhinderer optimalen Lernens ist Folgender: Wenn ich ein bestimmtes Verhalten von einer anderen Person abschauen möchte, sollte ich genau hinsehen & das Verhalten auf bestimmte Muster hin unter die Lupe nehmen:

  1. Zeigt die Person dieses Verhalten immer & überall, oder ist es vielleicht eine Höchstleistung, die ich mir hier abschauen möchte?
  2. Ist das Verhalten ein „Alltagsverhalten“, also eine Eigenschaft dieser Person, die ich vielleicht nur für bestimmte Bereiche meines Lebens gebrauchen könnte?
  3. Wird das Verhalten authentisch – also ehrlich – rübergebracht?

Diese Abstimmung mit den eigenen Lebensumständen – bzw. das genauer hinsehen & in einen für mich realistischen Rahmen packen – fällt beim hochsensiblen Menschen fast immer flach.

Wir haben das Kopieren nicht gelernt, weil es uns nützlich erschien und zu unseren Grundbedürfnissen passt, sondern aus einer von außen bestimmten Notwendigkeit. Weil wir intrinsisches Lernen nie wirklich kennenlernen konnten.

Wenn am Anfang unseres Lebens das wichtige Grundbedürfnis „Selbstwerterhöhung“ nicht von unseren Eltern unterstützt wird, indem sie uns annehmen, wie wir sind…

…sorgt unser Körper automatisch dafür, dass es trotzdem erfüllt wird. Und zwar, indem er uns dabei unterstützt, dass wir Strategien zur Hilfe nehmen, die dieses Bedürfnis unbewusst zur Erfüllung bringen.

Hier zeigt unser Körper uns, dass es guttut, neue Dinge zu lernen, indem wir sie von anderen abschauen & nachmachen. Wir fühlen uns dadurch nämlich besser! Das Bedürfnis ist erfüllt…

Aber die Strategie ist leider unvollständig & führt auf Dauer dazu, dass wir uns selbst ständig überfordern, indem wir uns abverlangen, das gelernte Verhalten sofort & komplett perfekt zu können. Andere können das schließlich auch!

Also: Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier für Euch bereit:

  1. Immer erst schauen & checken:
    Passt das Verhalten überhaupt zu mir?
    Möchte ich es wirklich übernehmen?
    Habe ich die Zeit & Lust, möchte ich mir die Mühe machen? Denn etwas neu lernen bedeutet immer einen Zeiteinsatz!
  2. Genau hinschauen & meinen persönlichen Rahmen stecken:
    Ist das eine Höchstleistung, die ich mir abschaue? Dann muss ich das Verhalten auch nicht immer zeigen können!
    Wie oft bzw. in welchen Situationen ruft die Person dieses Verhalten wirklich und authentisch ab?
    Für welche Zusammenhänge oder Situationen kann & will ich persönlich dieses Verhalten nutzen?

Ganz wichtig ist also, dass wir alles, was wir uns bei anderen abschauen möchten erst einmal genauer unter die Lupe nehmen. Und in den persönlichen Rahmen setzen. Und uns erst dann – ganz bewusst – dafür oder dagegen entscheiden.

Viel Spaß bei Eurer neuen Lernerfahrung wünscht Euch
Susanne Steed-Pfäffle

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Nach oben