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Die hochsensible Stressfalle

Stress ist eine sinnvolle und natürliche Strategie unseres Körpers.
Unter Stress wird unserem Körper kurzfristig Energie für Kampf oder Flucht bereitgestellt. In gefährlichen Situationen kann dies lebenserhaltend sein.
Durch die hohe Cortisolausschüttung wird allerdings auch unser Urteilsvermögen getrübt: Sind wir im Stress, können wir uns weit weniger gut entscheiden, sind nicht so zielstrebig und wählen des Öfteren für uns nachteilige Strategien: die sogenannten exekutiven Funktionen sind in solch einem Moment geschwächt.

Bei diesem Geschehen gibt es mehrere Hauptakteure:

  1. Der präfrontale Kortex (PFC), der für Konzentration, Zielstrebigkeit und abstraktes Denkvermögen steht und überschießende Gefühlsreaktionen des Mandelkerns dämpfen kann.
  2. Die Amygdala (Mandelkern), die Situationen mit emotionalen Bewertungen versieht und für die Produktion von Dopamin und Noradrenalin sorgt, wenn wir im Stress sind. Diese Neurotransmitter hemmen die Aktivität des präfrontalen Kortexes, der dann seiner Arbeit nicht mehr gut nachkommen kann.
  3. Der Hippocampus, der für unsere Gedächtnisleistung zuständig ist, also Situationen abspeichert und vergleicht und entscheidet, ob etwas kurz- oder langfristig in unserem Gedächtnis bleibt.
  4. Die Basalganglien, die vor allem für unseren „Autopilotmodus“ verantwortlich sind.

Sind wir im Stress, können wir also schlechter entscheiden, vergessen Dinge, verspüren lähmende Angst, erliegen Impulsen, die wir sonst gut im Zaum halten können und reagieren unbewusster als sonst.
Ob Stress uns anstachelt oder in die Knie zwingt hängt mit davon ab, wie wir die stressige Situation intern bewerten: Als Bedrohung oder Herausforderung. Das ist also auch eine Typfrage…

Außerdem kommt es auch darauf an, wie lange wir uns in einem Ausnahmezustand – genannt Stress – befinden. Ist es eine kurze Zeitspanne – wie etwa während einer Prüfung – kann uns der Stress dabei helfen, leistungsfähiger zu sein bzw. die Leistung auf den Punkt abrufen zu können.

Befinden wir uns allerdings längere Zeit im Stress – und das ist bei den meisten hochsensiblen Menschen der Fall! – werden Nervenfortsätze im präfrontalen Kortex abgebaut, was eine schlechtere Merkfähigkeit sowie Konzentrationsprobleme hervorrufen kann. Die Fähigkeit, rational zu denken nimmt also ab.

Dafür werden in der Amygdala neue Fortsätze gebildet, die dazu führen, dass unsere Emotionalität steigt. Und das ist genau das, was so viele hochsensible Menschen beschreiben und worunter sie teilweise leiden!

Die Amygdala verstärkt die Stressreaktion immer weiter, wenn die Anspannung im Körper nicht sinkt. Der Hippocampus dagegen wird fortlaufend geschwächt und kann dann seine Aufgabe, das Stresshormon Cortisol zu binden und reduzieren, nicht mehr vollständig ausführen.

Somit wird der Hippocampus und damit unsere exekutiven Funktionen unter einem fortlaufenden Stressgeschehen immer weiter geschwächt. Ein Teufelskreis, der das ganze hormonelle Gleichgewicht aus der Bahn wirft. Die gesamte HHN-Stressachse kommt somit aus der Balance. Und das ist es, was hochsensible Menschen dann erfahren: Einen mit den Jahren immer weiter steigenden Kontrollverlust in ihrem Leben.

Forscher haben beobachtet, dass traumatisierte Menschen – sei es durch Notlagen, Mobbing o.ä. – einen etwas kleineren präfrontalen Kortex haben als Vergleichspersonen ohne Traumata.
Unsicherheit in der Kindheit ist ein solches Trauma.

Jedes Trauma, mag es auch noch so klein erscheinen, löst ein Stressgeschehen in unserem Körper aus. In jungen Jahren können wir diesen noch nicht kompensieren und somit „lernen“ wir sehr früh, uns ständig im Stress zu befinden. Dies ist ein körperlich kontrolliertes Geschehen.

Durch die spezielle Bindungserfahrung und eine frühe Traumatisierung geraten Hochsensible in genau diese Stress-Spirale.

Es sollte hier auf alle Fälle zuerst auf körperlicher Ebene, z.B. durch gezielte Vitaminmischungen, die dem Stress Einhalt gebieten und durch Stärkung des Hormonhaushaltes reagiert werden.

Zusätzlich gibt es gezielte Methoden, die bei der Aufarbeitung der Bindungserfahrung helfen.

Ein stets ausgeglichenes Leben und Erleben wünscht Euch
Eure Susanne

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