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Die Stoffwechselstörung HPU und die dafür passende Ernährung

Hämopyrrollaktamurie ist eine seit langem bekannte Stoffwechselstörung, bei der es zu einer Störung der Häm-Bildung bzw. Häm-Synthese kommt. Das Häm ist ein Bestandteil unseres Blutes und trägt ein zentrales Eisenatom.

Damit ist es u.a. auch für den Sauerstofftransport in unsere Zellen verantwortlich. Es ist auch für das richtige Funktionieren vieler Eiweiße und für den Kohlehydratstoffwechsel wichtig.
Dadurch, dass der Körper das fehlerhaft zusammengesetzte Häm-Molekül als Fremdkörper erkennt, binden sich verschiedene Vitaminvorstufen und Mineralien daran und das Molekül wird samt dieser Vitamine und Nährstoffe über den Urin aus dem Körper befördert.

Besonders eine Vorstufe des Vitamin B6 ist als Coenzym an zahlreichen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt. Alle ausgeschiedenen Vitamine sind nicht rein über die Nahrung ersetzbar und müssen über eine Vitamintherapie ein Leben lang ganz oder teilweise zugesetzt werden.

Neben den großen Verlusten von Vitalstoffe ist die Entgiftungsleistung des Körpers gestört. Giftige Substanzen und Schwermetalle häufen sich an und werden im Körper eingelagert, was zu weiteren gravierenden körperlichen Beschwerden führen kann.

Menschen mit HPU sind überdurchschnittlich oft von Autoimmunerkrankungen (z.B. Hashimoto, Diabetes Typ II, Rheuma, Schmerzsyndromen, MS, …) betroffen. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Histamin Intoleranz, Glutenunverträglichkeit, Fruktose Intoleranz oder auch Milcheiweiß Intoleranz kommen außergewöhnlich häufig vor. Desweiteren drücken sich die Symptome auch oft in Erschöpfungszuständen, chronischer Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Depressionen, Kopfschmerzen, Leberbeschwerden, Ekzemen, reduzierter Stresstoleranz, Herz- / Gefäßerkrankungen, Unfruchtbarkeit, Schwangerschaftsproblemen, Anämie, Muskelschmerzen, Übergewicht, Ad(h)s oder Autismus aus.
Viele Betroffene finden bei der Schulmedizin keine Unterstützung und werden mit ihren Beschwerden oft gar nicht ernst genommen.

Ausnahmslos allen Betroffenen hilft eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten gut bis sehr gut weiter. Dadurch lösen sich mit den Jahren auch oft die Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf, die bis dahin das Leben bestimmt haben.

Auch hier gibt es kein Patentrezept, das für alle HPU-ler Linderung bringt! Aber sehr vielen hilft ein Ernährungsweg, der als Steinzeitkost bzw. Paleo-Ernährung bezeichnet wird. Diese Ernährungsform ist relativ leicht und nicht allzu kostenintensiv durchzuführen. Eine Umstellung kann leicht und schnell erfolgen.

Im Grunde geht es darum, verarbeitete Lebensmittel, schnell verfügbare Kohlehydrate, raffinierte Zucker, glutenhaltige Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte komplett vom Speiseplan zu streichen.
Da viele HPU-ler sowieso raffinierte Kohlehydrate und pflanzliche Eiweiße aus Hülsenfrüchten nur sehr schwer verdauen können, schlägt man hier mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe. Eine Milcheiweißunverträglichkeit kommt ebenfalls äußerst häufig bei HPU vor.

Was bleibt zu essen? Sehr viel!
Erlaubt sind alle Wurzeln und Gemüse, Obst, Eier, Nüsse, Samen, Fisch, Fleisch und Kräuter. Bei den Gemüsen muss jeder selbst herausfinden, wie er oder sie auf Nachtschattengewächse wie Auberginen, Tomaten, Kartoffeln (schnell verfügbare Kohlehydrate!) und Paprika reagiert. Manche können sie problemlos essen, andere – besonders bei Autoimmunkrankheiten – reagieren sensibel darauf. Für einige Hülsenfrüchte, die aber gerne auch zu den Gemüsen gezählt werden – wie Zuckerschoten, Erbsen und grüne Bohnen – gilt das gleiche: Ausprobieren, wie man reagiert. Außerdem gibt es Kohlehydrate und Fette sowie Zuckerarten, die erlaubt sind.

Gesüßt wird vorrangig mit Honig oder auch mal Agavendicksaft oder anderen Dicksäften. Auch Birkenzucker kann man verwenden (Achtung, er kann abführend wirken). Bei den Fetten werden besonders das Kokosöl, aber auch alle anderen Nussöle sowie Olivenöl, Ghee, Speck oder Schmalz verwendet.

Als Mehlersatz werden Nussmehle, Kokosmehl, Samenmehle oder z.B. Pfeilwurzelmehl herangezogen.
Jegliche Zusatzstoffe, verarbeitete Lebensmittel oder Süßungsmittel werden dabei komplett vermieden. Die Obst- und Gemüseauswahl sollte immer saisonal und regional sowie – wenn möglich – biologisch ausgewählt werden.

Und natürlich gilt wie immer und überall:
Wir sind alle unterschiedlich und deshalb ist es für den einen gut, z.B. Milcheiweiß komplett zu vermeiden, ein anderer kann aber vielleicht ab und zu etwas davon zu sich nehmen. Das heißt: Perfektionismus ist sicher nicht der richtige Weg, sondern jeder sollte hier in dem Tempo vorgehen, wie es sich gut und richtig anfühlt und auch im Alltag machbar ist. Auch eine Reduktion von einigen Lebensmitteln, die wir nicht gut vertragen kann schon deutliche Ergebnisse erbringen.

Ich persönlich kann auf alle Fälle sagen: Mir tut diese Ernährungsform richtig gut, ich kann nur empfehlen, es einmal auszuprobieren, besonders wenn ihr eine HPU habt! Viele kleinere Beschwerden, die ich noch hatte, haben sich seither aus meinem Leben verzogen und es macht mir inzwischen richtig Spaß, zu kochen und zu backen. Das war nicht immer so!

Auch wenn es für manchen vielleicht schwer zu glauben ist. Ernährung kann unheimlich viel bewirken! Neben dem Atmen und Trinken ist es immerhin eine der wichtigsten Dinge, die uns am Leben halten! Da liegt es doch nahe, dass die Qualität und Quantität der Lebensmittel die wir unserem Körper zuführen, enorm wichtig sind!

Wer nun Lust bekommen hat, sich mit der Paleo-Ernährung zu beschäftigen, hier sind meine absoluten Lieblingskochbücher:

Danielle Walker: Paleo-Küche für Genießer
Eines der schönsten und bestene Paleo-Kochbücher auf dem Markt! Danielle war selbst von einer schweren Autoimmunkrankheit betroffen und heilte sich mithilfe der Paleo-Ernährung.
Es ist inzwischen auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass die auch als Steinzeit-Ernährung bekannte Ernährungsform tatsächlich Autoimmunkrankheiten beseitigen und lindern kann!

Kelly v. Brozyna: Paleo für Schokoladenfans
Dies war mein erstes Paleo-Kochbuch und bis heute ist es mein liebstes! Es beweist, dass wir mit Paleo auf absolut gar nichts verzichten müssen. Es gibt keine leckereren Rezepte auf dieser Welt, davon bin ich überzeugt. Es gibt sogar einige Hauptgerichte mit Schokolade, es ist nicht nur Gebäck in diesem genialen Buch!

Eleonor Ozich: Rezepte zum Glücklichsein
Dieses Buch ist zwar kein Paleo-Kochbuch, sondern liefert tolle Rezepte ohne Gluten. Aber es enthält einige absolut einzigartige köstliche Gerichte und Gebäcke, die ich sonst noch nirgendwo finden konnte. Relativ einfach kann man sie so umgestalten, dass sie auch milcheiweißfrei bzw. lactosefrei sind.

Alle drei Bücher sind meine Standardwerke und aus meiner Küche absolut nicht mehr wegzudenken.
Probiert es selbst aus!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen guten und gesunden Appetit und dass Ihr alle Eure Beschwerden überwinden möget!

Eure Susanne Steed-Pfäffle

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